Dageblieben - Ein Weißstorch sorgt für Aufregung in Jochenstein

Besorgte Bürger aus Jochenstein meldeten vergangene Woche einen Weißstorch an das Haus am Strom. Eigentlich zieht Meister Adebar Jahr für Jahr, spätestens im September, in sein Winterquartier nach Afrika. Eigentlich – denn manche Weißstörche  verbringen den europäischen Winter, zumindest teilweise, in ihren Deutschland. So kommt es, dass mancherorts, wie derzeit in der Ortschaft Jochenstein der Fall, vereinzelt Weißstörche beobachtet werden können. Dabei handelt es sich oft um Tiere aus Pflege- oder Zuchtstationen. Entgegen der Meinung vieler Menschen ist die Kälte für den Storch aber kein Problem – von Erfrieren keine Rede. Als großer Vogel kann er die Wärme viel besser speichern als kleine Singvögel wie Spatz und Meise. Und dank seines dicken Daunenkleides ist er gegen Minusgrade bestens gerüstet. Und solange keine geschlossene Schneedecke liegt und strenger, lang anhaltender Frost herrscht findet ein Weißstorch auch hier zu Lande noch genügend Nahrung. Im Moment sind das vor allem Mäuse, Maulwürfe, Regenwürmer, Schnecken und Fische. Und sollte das Futter wirklich einmal knapp werden, dann ziehen Störche einfach einige Kilometer weiter – z. B. zum Neusiedler See, wo die klimatischen Verhältnisse etwas günstiger sind und das Nahrungsangebot reichhaltiger ist. Übrigens, Großvögel wie der Weißstorch können auch 14 Tage ohne Nahrung ohne Probleme überstehen.

Der Mensch sollte wirklich nur im Notfall eingreifen, das heißt, wenn ein Tier ganz offensichtlich verletzt ist oder stark geschwächt scheint. Das Anlegen einer Futterstelle für einen gesunden Storch macht aus Sicht der Vogelschützer keinen Sinn. Es fördert nur die Abhängigkeit des Tieres vom Menschen.

Der Jochensteiner Weißstorch ist unverletzt und fühlt sich auf jeden Fall pudelwohl. Nach Absprache mit dem Landratsamt Passau und Frau Gudrun Dentler und Frau Oda Wieding vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. darf der Storch bleiben wo er ist. Und solange die Temperaturen einigermaßen mild sind und er genug zu fressen findet, wird er auch noch einige Zeit zu bewundern sein. Allerdings sollte man ihn nicht stören, da er sonst unnötigerweise zu viele seiner Reserven verbraucht, die er für den bevorstehenden Winter dringend braucht.

Sollten Sie einen Weißstorch entdecken, dann melden Sie diesen Fund an den Landesbund für Vogelschutz oder die untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes.

 

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