Rund 40 Teilnehmer konnte der Leiter des Hauses am Strom in Jochenstein, Ralf Braun-Reichert, zu einer Pilzexkursion begrüßen. Im Leitenwald erläuterte der Passauer Experte Alois Zechmann zunächst die enorm wichtige Rolle der Schwammerl im Naturhaushalt: Wurzelpilze sind wichtige Partner der Bäume bei der Nährstoffversorgung. Andere Pilze zersetzen jährlich die Unmengen an Laub und anderer biologischer Abfälle. Nur die letzte Gruppe der Parasiten ist für den Menschen manchmal negativ besetzt, wenn zum Beispiel ein Obstbaum betroffen ist. Auch wenn die Schwammerlschwemme der letzten Wochen etwas abgeebbt war, konnten zahlreiche Arten gefunden werden, darunter auch vier der „Roten Liste gefährdeter Großpilze Bayerns“. Highlight diesbezüglich war der stark gefährdete Ziegenfuß-Porling, eigentlich eine sehr wohlschmeckende Delikatesse, aufgrund der Seltenheit aber natürlich zu schonen. Begeistert registrierten die Pilzfans den Fund von zwei Milchbrätlingen. Früher wurde der hochgeschätzte Brätling, fast ein Kultpilz, einfach mit Salz bestreut und kurz auf die heiße Ofenplatte gelegt. Mittlerweile ist er leider – vermutlich bedingt durch negative Umwelteinflüsse – ziemlich selten geworden. Der bekannte Mykologe und Buchautor Till R. Lohmeyer titulierte ihn deshalb treffend als „Großelternpilz“.

Als weitere Speisepilze landeten in den Körben: Steinpilz, Maronen-Röhrling, Rotkappe, Flockenstieliger Hexenröhrling („Zigeuner“), Birkenpilz, Gold-Röhrling,

Pfifferling, Trompeten-Pfifferling, Semmel-Stoppelpilz, Parasol und Violetter Lacktrichterling. Der tödlich giftige Weiße Knollenblätterpilz fehlte in der Fundliste allerdings

ebenfalls nicht. Wagemutige Führungsteilnehmer versuchten sich in Geschmacksproben beim Spei-Täubling. Dieser Pilz ist extrem scharf. Die Sinne wurden auch durch Geruchsproben beim Rettich-Helmling, dem Seifen-Ritterling und dem wahrhaft bestialisch stinkenden Schwefel-Ritterling auf eine Belastungsprobe gestellt. Für Heiterkeit sorgten Zitate über Pilze von Gelehrten aus Antike und Mittelalter wie Hildegard von Bingen und Plinius dem Älteren. Dieser meinte zum Beispiel zu wissen, dass ein Schwammerl giftig werde, wenn ihn eine Schlange anhauche.

Zechmann präsentierte auch einen aus der „Hudersau“ (Zunderschwamm) hergestellten Hut aus Rumänien. Zu Guter letzt zeigte er als Spezialgast „Ötzi“ erfolgreich, wie man mit Pilzzunder, Feuerstein und Markasit (Katzengold) eine Glut entfacht.

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