Weiterführende Betrachtungen zur Entwicklung der Donauleiten

Landschaftswandel, Donautal, Passau, DonauleitenDie Donauleiten sind ein Gebiet, welches sich durch seine Lebensraumvielfalt und die dadurch bedingte Artendiversität auszeichnet. Das mosaikartige Nebeneinander von oft klein- oder kleinstflächigen Lebensraumtypen ist ein hervorstechendes Merkmal der Passauer Donauhänge. Dabei sind im Hinblick auf die biogeografische Lage des Durchbruchtals insbesondere offenere, wärmegetönte Biotoptypen (Blockhalden, Felsen und Felsköpfe, lichte eichenbetonte Hangflächen) von besonderer Bedeutung. Die Donauleiten sind deshalb vor allem als Vorposten von Arten mit südeuropäischen, pannonischen und kontinentalen Verbreitungsschwerpunkten zu bezeichnen.

Nach der letzten Eiszeit und vor einer intensiven Nutzung des Donautals durch den Menschen (Landwirtschaft, Verkehr, Siedlungen am Talboden; Waldnutzung in den Hängen), dürften sich offene Lebensräume in den Donauleiten auf felsige Bereiche, Blockhalden, das Donauufer (Fels, Kies) und temporäre Windwurfflächen beschränkt haben. Die zunehmende Besiedlung hat vermutlich phasenweise zu einer Intensivierung der Nutzung sowohl am Talboden (Siedlungen, Wege, Landwirtschaft) als auch in den Hängen (Forstwirtschaft) geführt. Die Nutzung der Wälder war dabei wahrscheinlich, je nach Ressourcenbedarf, unterschiedlich intensiv (z. B. Holzbedarf zur Eisenverhüttung während der Keltenzeit). Von einer, hinsichtlich Nutzungsintensität und –form, kontinuierlichen Bewirtschaftung der Donauhänge ist nicht auszugehen.

Die jüngste Nutzungswelle der Waldbestände (mittel- und niederwaldartige Bewirtschaftung) seit etwa dem 18. Jahrhundert hat wahrscheinlich zu einer bedeutenden Erhöhung des Anteils „offener“ bzw. halboffener Lebensräume geführt. Durch Nutzungsänderung bzw. -aufgabe seit etwa der 1950er ist aktuell ein umgekehrter Trend festzustellen (Kronendichtschluss). Sonderstandorte, wie Felsbereiche und Blockhalden, sind hier ausgenommen bzw. geht der Aufwuchs hier deutlich langsamer voran.

Es ist festzustellen, dass der Kronendichtschluss seit etwa den 1950ern zu einer mehr oder weniger deutlichen Veränderung hinsichtlich der Lebensräume geführt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt kann in zugänglichen Gebietsteilen eine intensivere forstliche Nutzung festgestellt werden. Entsprechend hoch war der Anteil von Kahlschlagsflächen. In Folge dessen ist von einer kurzfristigen und lokalen Förderung thermophiler Offenland- und Saumarten auszugehen. Sehr wahrscheinlich war die Offenheit der Hänge, als Folge derartiger „Nutzungsereignisse“, generell aber von eher kurzer Dauer. Es ist von einer raschen Verbuschung (durch Stockausschläge und Samenanflug) und Wiederbewaldung auszugehen (Zeitraum ca. 10 Jahre). Ausgeglichen wurde dies wahrscheinlich durch eine relativ kleinflächige, mosaikartige, niederwaldartige Waldnutzung.

Bedingt durch die Nutzungsextensivierung in den letzten ca. 50-60 Jahren ist von einer Verschiebung (quantitativ, teilweise evtl. qualitativ?) thermophiler Offenland- und Saumarten hin zu (thermophilen) Waldarten auszugehen. Essentielle Artenverluste gibt es jedoch nach derzeitigem Wissensstand nicht!

Generell stellt Wald natürlicherweise und nutzungsbedingt den überwiegenden Anteil der Vegetation in den Donauleiten dar. Der aktuelle naturschutzfachliche Zustand vieler Waldflächen im Gebiet ist im Hinblick auf ihre Struktur (Reife, Naturnähe) als kaum oder mäßig wertvoll zu bezeichnen. Zurückzuführen ist dies auf das verhältnismäßig geringe Alter vieler Bestände (<70 Jahre). In (Buchen-) Waldbeständen des Tieflandes bilden sich flächige Reifestrukturen ab einem Mindestbestandsalter von etwa 100 bis 150 Jahren. Sehr wertvolle Bestände dahingegen befinden sich derzeit meist auf unzugänglichen Standorten (z. B. Felsbereiche, Bachschluchten) oder aus anderen Gründen schon länger nicht genutzten Bereichen. Es kann jedoch festgestellt werden, dass trotz des geringen Alters vieler Waldbestände in den Donauleiten, bereits jetzt eine gewisse „Reifung“ und Dynamik einsetzt. Ursächlich sind mit Sicherheit die standörtlichen Bedingungen in den Hängen. Hier spielen vor allem Nährstoff- und Wasserversorgung auf trockenen Standorten einerseits und der geringe Wurzelwiderstand des blockschuttigen Bodens andererseits eine wesentliche Rolle. Dies bedeutet zum einen mehr Stress (Trockenstress) und in Folge eine schnellere „Alterung“ für die Bäume, zum anderen eine hohe Wahrscheinlichkeit von Windbruch. Letzteres belegen beispielsweise Windbruchereignisse der Jahre 2015 und 2016 im Jochensteiner Bereich, bei denen zudem kleinflächige Lichtungen (<300 qm) entstanden sind. Es ist damit zu rechnen, dass derartige Ereignisse mit zunehmendem Bestandsalter häufiger werden, da sich der Raumwiderstand der einzelnen Bäume (Kronen) erhöht. In Folge ist auch mit einer unregelmäßigen Neuentstehung von „Lichtinseln“ und einer Erhöhung des Totholzanteils im Wald zu rechnen.

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